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OliverGassner

Oliver Gassner ist Kommunikationsberater, Blogger, Trainer, Speaker und Konzepter – er gilt als einer der renommiertesten Experten im Bereich Business Networks und ist zudem zertifizierter XING-Trainer. Seit 2002 ist Gassner zudem als freiberuflicher Online-Journalist aktiv. Er gilt außerdem als einer der renommiertesten Experten im Bereich Business Networks und ist zertifizierter XING-Trainer.

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Seit nunmehr 14 Jahren beschäftigen Sie sich mit Online-Kommunikation, Social Media und im Speziellen mit XING – was trieb Sie dazu an und wie begann Ihre Erfolgsstory?

Schlüssel war zunächst ein Auslandsaufenthalt in den USA 1988, da arbeitete ich das erste Mal an einem Modem an einem Zentralrechner. Der war auch schon am Internet, aber das fiel mir gar nicht auf. Ich bewegte mich vor allem im Campusnetz, da gab es genug zu entdecken. Zu Hause besorgte ich mir dann einen Uni-Zugang und ein paar Jahre später brachten wir unsere Literaturzeitschrift online, dann eine kommentierte Linksammlung zu Literatur online, die 1995/1996 einen Preis bekam. Das war fast schon eine Art Proto-Blog. Ich beschäftigte mich dann mit Netzliteratur, baute experimentelle Texte und begann 1999 zu bloggen. Ab 2002 begann ich, mein Knowhow beratend weiterzugeben.

 

Was ist für Sie die spannendste bzw. reizvollste Aufgabe als Social Media Experte?

Ach ja, Leute, die sich mit Social Media befassen reagieren etwas allergisch gegen diesen Begriff. Er ist einfach zu breit, es gibt einfach niemanden, der für den gesamten Bereich „Experte“ wäre. Spannend finde ich, welche Fragen Leute haben, manchmal auch welche falschen Vorstellungen davon, wie Netzkommunikation läuft. Spannend ist, einen Weg zu finden, Menschen digitale Kultur und digitale Kommunikation so verständlich zu machen, dass sie einen Platz und einen Ablauf für ihre eigene Kommunikation darin sehen.

 

Social Media hat die Art und Weise unserer Kommunikation grundlegend verändert. Wie weit ist Deutschland in Sachen digitaler Kommunikation – welche Herausforderungen haben Sie identifiziert?

Eine Firma, die ich beriet, die eine Facebookpage und ein Blog hatten – was dann wegen einer Fusion zurück- und eingestellt wurde – schreibt mir heute, dass sie bei den Weberfolgszahlen in ihrer Branche vorne liegen und deshalb im Social Web vorerst nicht kommunizieren wollen. Dass die Kunden aber vielleicht mit der Firma reden wollen und sich selbst Kanäle schaffen auf denen sie das eventuell tun, das gerät typischerweise aus dem Blick. Social-Web-Kommunikation wird immer noch als „zusätzliche Arbeit“ aufgefasst und nicht als „Art, die Arbeit zu tun“. Das sieht man schon daran, dass ein Wirtschaftsjuniorenevent in der Region kein deklariertes Hashtag hat oder dass deren Vorstandschaft offenbar keine interne  Maildiskussionsliste betreibt sondern Entscheidungen nur Face to Face fallen. Oder dass der Schriftstellerverband zwar Sachen zu Google Books oder dem Leistungsschutzrecht sagt, dass das aber oft klingt wie Umformulierungen von Verlegerstatements. Diese Liste des „falschen Bewusstseins“ ließe sich nahezu endlos fortsetzen.

 

Wie hat das Social Web unsere tägliche Kommunikation verändert und welche Missverständnisse gibt es in dieser Hinsicht in Unternehmen heute immer noch?

Ein Beispiel: Eine meiner Studentinnen brauchte eine Referenz für ein Auslandsstudium. Wir haben das komplett über Facebookmail abgewickelt. Das Dokument lag selektiv freigegeben auf Google Drive und ein amerikanischer Bekannter gab mir Feedback zu englischsprachigen Formulierungen. Die Konfirmationsgruppe meines Sohnes kommuniziert über eine Whatsappgruppe. Das heißt: Die Konsumenten von heute und morgen bewegen sich zu einem erheblichen Teil in einer Welt, die für die Firmen noch nicht mal #Neuland sondern #unbekannt ist. Woher soll da die Kompetenz zur Kommunikation kommen? Die kann man nicht immer nur bei Agenturen einkaufen, die auch nicht immer stilsicher agieren. Das Hauptmissverständnis der Firmen ist wohl, dass da niemand sei, mit dem es sich zu reden lohne.

 

Aus Ihrer beruflichen Praxis und Ihren Touch-Points zu Unternehmen – wie erklären Sie einem skeptischen Unternehmer, dass Social Media auch für ihn interessant sein kann?

Ich bin da relativ hart, ich rede nicht mit skeptischen Unternehmen. Wenn jemand nicht erkennt, dass das spannend und notwendig ist, dann ist die Grundhaltung schon schief. Das ist zu anstrengend und wahrscheinlich fruchtlos, das zu korrigieren. Da müsste ich ja nicht Social Media machen sondern an sich Change Management. Was ich tue, ist den Leuten von meiner Welt zu erzählen, von der, die ich heute sehe und die aus keiner Sicht kommt. Wer dann nicht erkennt, dass das für ihn spannend ist, der ist einfach nicht mein Gesprächspartner. Und man muss auch offen sagen: Nicht für jeden ist Social-Web-Kommunikation auch die Lösung für seine Herausforderung.

 

Wenn Sie zwei Dinge kurz thematisieren müssten, die aus Ihrer Sicht gerade „schief laufen“ im Social Web – welche wären das?

  • Firmen glauben, was sie in der Zeitung über das Web lesen – das ist, als würde ich einen Vegetarier nach einem Steakrezept fragen.
  • Firmen (und leider auch Einzelpersonen) denken, sie müssten das Social Web einfach so lange mit Werbung zuspammen, bis alle bei ihnen kaufen. Dazu gehört auch der Irrglaube, ‘viele Fans’ seien besser als ‘gute Fans’. D.h. Measurement ist prima, aber man sollte versuchen, in den Quantitäten die Qualitäten zu erkennen.

 

Welche Argumente würden Sie nennen, wenn Sie gefragt würden, warum man sich bei XING anmelden sollte?

Wohl eher: warum man sich bei XING nicht abmelden sollte oder warum man einen Premiumaccount braucht. Weil in weiten Strecken der Businesskommunikation in DACH XING einfach zum Standard gehört. Man kommt ohne Faxnummer aus, aber kaum ohne XINGaccount. Das bedingt aber, dass man XING nicht hat und ignoriert sondern sich mit den Möglichkeiten und Logiken der Plattform auch auseinandersetzt. Das muss man an sich mit jeder Plattform tun, eben auch mit XING.

 

Wird das Potential von XING von den Nutzern in Augen bereits umfassend genutzt?

Bei weitem nicht. Ich komme fast ohne extra Aufwand im Schnitt auf 260 Profilbesucher pro Woche, denen ich mit dem neuen Portfolio übersichtlich und attraktiv zeigen kann, wie wir von einer Zusammenarbeit profitieren können. Ich kann aus denen herausfiltern wer sich intensiver mit meinem Profil befasst hat und diese ansprechen. Ich kann einem Netzwerk von fast 3000 Leuten nahezu täglich meine Kompetenz demonstrieren und bei ihnen verankern, für welche Themen man mich ansprechen kann – und das funktioniert. Und das alles dauert nur Minuten pro Tag.

 

Visionen sind auch dafür da weitergesponnen zu werden. Wo und wie sehen Sie Social Media in 5 Jahren?

Ui – fünf Jahre sind eine lange Zeit. Bis dahin, sagen die Experten, ist das Internet so unsichtbar und selbstverständlich wie heute Strom- und Wassernetz. Wir werden dann wahrscheinlich keinen separaten Namen mehr für „Social Web“ haben sondern einfach nur noch vom „Netz“ reden. – So wie heute das Web fälschlich als „das Internet“ wahrgenommen wird. – Crowd-Phänomene werden bis dann in mehr und mehr Prozesse Eingang finden, sei es in Investitionen, Funding, Produktentwicklung. Und ich hoffe, dass sich bis dann ein Großteil aller Firmen – vom Einzelfreiberufler über den Handwerker und Mittelständler bis zum Konzern (die tun’s ja schon) entschieden haben, ihren Firmenwert durch intensive Netzkommunikation von der „Weisheit der Massen“ aufzuwerten.

 

Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview genommen haben. Danken möchte ich Ihnen auch für Ihre offenen und ehrlichen Worte. Abschließend möchte ich Sie dennoch um einen Gefallen bitten: Geben Sie angehenden Social Media Managern und/oder Existenzgründern in diesem Bereich einen Rat bzw. eine Lebenserfahrung mit auf ihren weiteren Lebensweg?

Lernen tut man durch spielen und machen. Wer sich dafür keine Zeit nimmt, der versteht irgendwann die Welt nicht mehr. Und zwar schon bevor es Zeit für den Ruhestand ist.

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[…] 29. Oktober 2013 • Kategorie: News Ich habe Socialmedia.cc ein kleines Interview gegeben: Interview: Oliver Gassner ? Was im Social Web (schief) läuft. | socialmedia.cc Zum selben Thema bastle ich gerade an einer Artikelserienidee im Chip Business Blog. Falls es noch […]

Möge das neue Jahr , erhalten Sie gesegnet mit 52 Wochen und zwölf Monaten des Glücks und der nie endenden Freude.

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